Creative-Test ohne klaren Gewinner: was tun?
Ein Creative-Test ohne Gewinner ist trotzdem ein Ergebnis. So erkennst du, ob dein Test zu klein war oder die Varianten zu ähnlich.
Ein Creative-Test ohne Gewinner ist trotzdem ein Ergebnis. So erkennst du, ob dein Test zu klein war oder die Varianten zu ähnlich.
Vier Creatives, 1.600 €, zwei Wochen auf eine kalte Zielgruppe. Bester Kaufpreis 38 €, schlechtester 43 €, die anderen beiden irgendwo dazwischen. Insgesamt 41 Käufe. Am Donnerstag ist Kundentermin, und im Deck steht eine Folie mit der Überschrift "Gewinner".
Ich habe diese Folie schon ausgefüllt. Die 38-€-Anzeige wurde zur Kontrolle für die nächste Runde, dann für die übernächste. Im dritten Monat hing ein guter Teil des Accounts an fünf Euro Unterschied, die niemand reproduzieren konnte.
Kurze Antwort: Ein Creative-Test ohne Gewinner ist meistens ein Test, dessen Varianten sich bei diesem Budget nicht trennen ließen. Rechne zuerst nach, welchen Unterschied dieser Spend überhaupt hätte zeigen können. Dann entscheide dich für eines von drei Dingen: größerer Sprung zwischen den Varianten, mehr Volumen auf denselben Vergleich, oder Frage fallen lassen.
Die Kernpunkte
Zwei verschiedene Dinge erzeugen dasselbe flache Ergebnis. Entweder lagen deine Varianten nie weit genug auseinander, um die Zahl zu bewegen. Oder der Test hat nie genug Conversions gesammelt, um einen vorhandenen Unterschied sichtbar zu machen. Das erste ist ein Urteil über die Creatives. Das zweite ist ein Urteil über die Stichprobe, und die Anzeigen können nichts dafür.
Der deutsche Standardrat an dieser Stelle lautet: pack alles in Dynamic Creative und lass den Algorithmus sortieren. Damit wechselst du das Thema. Der Algorithmus verteilt Budget, er klärt keine Frage. Du weißt danach genauso wenig, welcher Winkel funktioniert.
Kläre das, bevor du dir das Ranking noch einmal ansiehst. Conversion-Zahlen schwanken, und diese Schwankung schrumpft nur mit der Wurzel aus der Anzahl. Bei zehn Käufen pro Anzeige liegt jeder Kaufpreis um rund dreißig Prozent daneben, nach oben wie nach unten. 13 % Abstand zwischen Bester und Schlechtester liegen dann im Bereich, den du auch bekommst, wenn eine Anzeige gegen eine Kopie ihrer selbst antritt.
Metas eigene Angaben zur Lernphase nennen rund 50 Optimierungsereignisse pro Anzeigengruppe und Woche als stabile Basis. Lernphase und lesbarer Test sind zwei verschiedene Probleme, aber die Zahl taugt als Untergrenze. Wer nie in diese Nähe kommt, hat nichts entschieden. Die Rechnung dahinter steht in statistische Signifikanz bei Facebook Ads.
Sieh dir die Briefings an, bevor du wieder auf die Ergebnisse schaust. Wenn alle vier dasselbe Versprechen gemacht haben, nur mit anderem Bildausschnitt, anderer Farbstimmung und einem anderen Gesicht aus der Stockdatenbank, dann hat der Test gefragt, ob Kleinigkeiten zählen. Bei diesem Budget zählen sie selten. Zwei weitere Wochen ändern daran nichts.
Das ist der Teil, den am Donnerstag niemand hören will. Die Lösung ist ein größerer Sprung, keine längere Laufzeit. Zwei Anzeigen mit gegensätzlichen Versprechen, etwa Preis gegen Sicherheit, trennen sich bei viel weniger Volumen als vier Verwandte derselben Idee. Eine große Frage bringt eine große Antwort mit.
Ein Unentschieden zwischen fast identischen Creatives sagt dir, dass der Test die Sache nie wert war.
Mehr als das Media-Budget. Jede Woche, in der die Anzeigengruppe einen ungeklärten Vergleich festhält, wird die nächste Frage nicht gestellt. Die meisten Accounts haben pro Quartal nur eine begrenzte Zahl sauberer Auswertungen. Diese Warteschlange ist das eigentliche Budget.
Also rechne die Antwort durch, bevor du verlängerst. Wenn die Frage nach dem besseren Hook rund 200 € Monatsbudget umlenkt, sind 900 € zusätzlicher Spend für eine belastbare Antwort zu teuer. Streich die Frage und setz die Auswertung dort ein, wo mehr Spielraum ist.
Ich habe einen Account gesehen, der sechs Wochen an einem Unentschieden festhielt, weil Abbrechen sich wie Scheitern anfühlte. Die sechs Wochen Spend waren der billige Teil. Die vier Tests dahinter nicht.
Manchmal schon. Wenn die Kampagne laufen muss und eine Variante drin sein muss, nimm eine und mach weiter. Der Schaden entsteht später, durch das, was aufgeschrieben wird.
Ein Unentschieden, das als Sieg notiert wird, wird zur Regel. Ein halbes Jahr später erklärt jemand einer neuen Designerin, dieser Account laufe besser mit dem Gründer vor der Kamera. Der ganze Glaubenssatz hängt an fünf Euro Unterschied bei 41 Käufen. Notiere stattdessen "nicht entschieden", mit Spend und Conversion-Zahl daneben. Dann sieht die nächste Person einen zu kleinen Test statt einer geklärten Frage. Diesen Schritt lassen die meisten Accounts aus: Creative-Tests dokumentieren.
Drei ehrliche Optionen, und eine davon laut auszusprechen ist besser, als den Test offen zu lassen. Wiederhole denselben Vergleich mit genug Budget, wenn die Antwort das wert ist. Tausch die Varianten gegen zwei, die sich widersprechen. Oder lass die Frage fallen und setz die Auswertung auf eine Ebene, zu der du noch gar keine Daten hast.
Genau dieses Dünne-Daten-Problem habe ich ins Tool eingebaut. Scores werden vor jedem Ranking in Richtung dessen gezogen, was das Format normalerweise leistet. Eine Anzeige mit zehn Conversions und einer Glückswoche klettert also nicht über eine mit langer Historie. Der Composite-Score läuft über sechs Metriken, deren Gewichte du pro Projekt setzt, und die Empfehlung für den nächsten Test ist pro Kalenderwoche reproduzierbar. Das ist die Auswertung hinter Ad Intelligence.
Aus einem Unentschieden wird dadurch kein Gewinner. Das schafft nichts. Am Donnerstag hilft nur: sagen, dass der Vergleich nicht entschieden ist, welche der drei Optionen du nimmst, und wann der nächste Test startet.
Genau dieses Denken steckt in Adscalr.
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