Kundensprache finden, wenn Bewertungen fehlen
Jede Anleitung zum Message Mining setzt Bewertungen voraus. So findest du Kundensprache ohne Bewertungen, und was diese Quelle nicht hergibt.
Jede Anleitung zum Message Mining setzt Bewertungen voraus. So findest du Kundensprache ohne Bewertungen, und was diese Quelle nicht hergibt.
Ein Kunde verkauft Leckageortung an Druckluftanlagen in Industriebetrieben. Sechsstellige Aufträge, Vertriebszyklus in Quartalen. Ich habe zuerst nach den Worten der Käufer gesucht, so wie immer.
Amazon: nichts. App Store: nichts. Reddit: ein Thread von 2019 über eine Kompressormarke, sieben Kommentare, alles Techniker im Streit über bar. Auf OMR Reviews standen vier Bewertungen eines Wettbewerbers, drei davon klangen nach dessen eigenem Vertrieb. Nach zwei Stunden hatte mein Zitat-Dokument vier Sätze.
So sieht es im deutschen Mittelstand meistens aus. Reddit ist hier klein, die Bewertungskultur schwach, und ein Zulieferer mit 80 Mitarbeitern hinterlässt online kaum eine Spur.
Kurz gesagt: Wenn eine Branche keine öffentlichen Bewertungen hat, ersetzt du das öffentliche Material durch das private, das dein Kunde längst besitzt: Vertriebsnotizen, Einwände im Postfach, Chatverläufe, Freitextfelder aus Formularen. Diese Zitate sortierst du nach Wucht statt nach Häufigkeit, denn 30 Zitate tragen keine Auszählung.
Das Wichtigste
An vier Stellen, die alle schon auf den Servern deines Kunden liegen. Vertriebsnotizen, vor allem die Einwände aus den ersten zehn Minuten. Das Support-Postfach, wo ein verärgerter Kunde vier Absätze schreibt, die niemand je in ein Bewertungsfeld tippen würde. Chatverläufe. Und das Freitextfeld im Anfrageformular.
Das letzte ist die am meisten unterschätzte Quelle in diesem Job. Auf "Worum geht es?" kommen Antworten wie "Kessel geht nachts dauernd aus, mein Mieter ruft schon an". Niemand poliert ein Formularfeld. Du bekommst das Problem in den Worten, die jemand benutzt, wenn er genervt ist. Das ist genau die Tonlage, die ein Hook im Feed braucht.
Bitte die Vertriebsleitung um fünfzig weitergeleitete Mails. Bis Donnerstag hast du eine Sammlung.
Weil eine Prozentzahl bei der Menge nur Kostüm ist. Zwei von 30 liest sich auf der Folie als 7 Prozent, und es sind zwei Menschen, die zufällig in derselben Woche geschrieben haben. Sammle einen Monat später erneut, und die Reihenfolge kippt. Häufigkeit braucht Masse, die du hier nicht hast.
Sortiere stattdessen nach Wucht. Wucht heißt: Das Zitat benennt eine Folge. Eine Zahl, einen Termin, jemanden, dem der Käufer Rede und Antwort stehen musste. "Der Kompressor lief das ganze Wochenende durch, gemerkt habe ich es Montag auf der Rechnung" schlägt fünf Leute, die den Service nett fanden. Da stecken Kosten, Zeitpunkt und Gefühl drin, und jedes davon ist ein Hook.
Eine kleine Stichprobe macht diese Regel nur sichtbarer. Sortieren sollte man eine Schmerzkarte immer so.
Das komplette kalte Ende des Funnels. Alle in deiner privaten Sammlung haben vorher eine Schwelle überschritten: Problem bemerkt, für lösenswert gehalten, gesucht, dich gefunden. Wenn ihre Worte bei dir ankommen, stehen sie auf Solution Aware oder Product Aware, den mittleren der fünf Bewusstseinsstufen von Eugene Schwartz.
Die Unaware-Stufe fehlt bauartbedingt. Ein Betriebsleiter, der nie über Druckluftverluste nachgedacht hat, schreibt keiner Leckageortung. Baust du also alle Hooks aus den eigenen Dateien, sprichst du Leute an, die ihr Problem noch nicht kennen, und zwar im Vokabular derer, die es schon gelöst haben.
Im Dokument sieht man diesen Bruch nicht. Im Konto kostet er Geld: kaltes Prospecting mit ordentlicher CTR und ohne Abschlüsse, weil die Klicks aus dem kleinen warmen Rest kamen. Die Leiter selbst nehme ich in Werbetexte nach Bewusstseinsstufen auseinander.
Aus der Kategorie eine Ebene darüber. Die hat fast immer das öffentliche Material, das deiner Nische fehlt. Zu "Leckageortung Druckluft" findest du nichts. Zu "Energieaudit", "Instandhaltung" oder "Stromrechnung zu hoch" findest du tausende Beiträge, geschrieben von genau den Leuten, die du erreichen willst, bevor sie deine Kategorie kennen.
Zwei Züge funktionieren. Erstens: Lies die Ein-Stern-Bewertungen des benachbarten Produkts. Beschwerden beschreiben den Zustand vorher, in klaren Worten, und den muss ein kalter Hook benennen. Zweitens: Wechsle das Forum. Das Nischen-Subreddit gibt es nicht, das allgemeine Fachforum schon, und dort schreibt dein Käufer über etwas ganz anderes.
Wenn ein direkter Wettbewerber echte Bewertungen hat, fang dort an. Dieser Fall hat eine eigene Methode, beschrieben in Zielgruppenrecherche ohne Kundendaten.
Wenn zehn neue Zitate keine neuen Formulierungen mehr bringen. Das nennt sich Sättigung und ist bei dieser Stichprobengröße die einzige ehrliche Abbruchregel. Statistische Sicherheit erreichst du mit privatem Material nie. Darauf zu warten verschiebt den Start nur um zwei Wochen.
In einer engen B2B-Nische liegt das meist bei vierzig bis sechzig Zitaten. Sortiere sie in drei oder vier Schmerzthemen, schreibe pro Thema drei Hooks in den Worten des Käufers und schalte sie. Der CTR-Abstand zwischen diesen Hooks bringt dir mehr als eine weitere Woche Sammeln. Es ist das erste Mal, dass deine Lesart auf Leute trifft, die nicht ohnehin schon mit dir geredet haben.
Hier zeigen sich die Grenzen eines Recherche-Tools, also sage ich sie klar. Die Zielgruppenrecherche von Adscalr durchsucht fünf benannte Quellen: Reddit, Amazon-Bewertungen, App Store, Google Play und eigene Foren, die du mit deinen und den URLs deiner Wettbewerber bestückst. Sie zieht die exakten Formulierungen aus jedem Zitat (zwei bis vier Sprachmarker, dazu Emotion und Register), ordnet die Zitate den fünf Bewusstseinsstufen zu und sortiert die Schmerzkarte nach Wucht.
In einer dünnen Nische kommen vier dieser fünf Quellen fast leer zurück, und die bestückten Foren tragen das Ergebnis allein. Diese Deckungsgrenze gehört benannt, und geschlossen wird sie vom privaten Material im Postfach deines Kunden. Die Methode bleibt gleich: exakte Worte sammeln, nach ihrem Preis für den Sprecher sortieren, ehrlich bleiben, welchen Teil des Funnels du gehört hast. Wie Quellen und Sortierung arbeiten, steht auf der Pillar-Seite zur Zielgruppen-Intelligenz.
Genau dieses Denken steckt in Adscalr.
Produkt ansehen →