Sind Advantage+ Shopping Kampagnen sinnvoll?
Advantage+ Shopping Kampagnen kannst du nicht mehr anlegen. Was sie ersetzt hat und wie du beurteilst, ob die Automatik dein Budget wert ist.
Advantage+ Shopping Kampagnen kannst du nicht mehr anlegen. Was sie ersetzt hat und wie du beurteilst, ob die Automatik dein Budget wert ist.
Ein Kunde fragt, warum du noch sechs Anzeigengruppen fährst. Die Agentur nebenan hat alles in eine automatische Kampagne geschoben, und der ROAS ist gestiegen. Berechtigte Frage. Also willst du so eine Kampagne zum Vergleich bauen, öffnest den Werbeanzeigenmanager, und der Kampagnentyp aus neun Ratgebern ist nicht da. Stattdessen steht dort Advantage+ Sales: mit Anzeigengruppen, eigenen Ausschlüssen, Zielgruppen-Vorschlägen. Davon steht in keinem dieser Ratgeber ein Wort. Sie beantworten alle eine Frage zu einem Produkt, das Meta niemanden mehr anlegen lässt.
Kurz gesagt: Advantage+ Shopping Kampagnen kannst du nicht mehr neu anlegen. Meta hat sie im Februar 2025 in Advantage+ Sales umbenannt und die alte Variante danach abgeschaltet. Für die meisten Katalog-Werbetreibenden lohnt sich die Automatik. Aber nur, wenn du Neukunden-Umsatz von den Wiederkäufen trennen kannst, die du sowieso bekommen hättest.
Das Wichtigste
Meta hat das Format im Februar 2025 in Advantage+ Sales umbenannt. Jon Loomer hat den Wechsel am klarsten dokumentiert. Es war kein neues Etikett. Die alte Kampagne war bewusst starr gebaut: eine Anzeigengruppe, kaum Eingriff bei der Zielgruppe, der ganze Pitch war "geh aus dem Weg". Advantage+ Sales gibt dir die Regler zurück. Die Zahl der Anzeigengruppen ist nicht mehr gedeckelt, du kannst Zielgruppen vorschlagen, und du kannst eigene Ausschlüsse auf Ebene der Anzeigengruppe setzen. Dazu kamen Lead- und App-Ziele, also mehr als nur E-Commerce. Wenn ein Ratgeber also von "der einen Anzeigengruppe" als geltender Beschränkung spricht, beschreibt er die alte Version. Eine Advantage+ Shopping Kampagne im alten Stil kannst du weder anlegen noch strukturell bearbeiten. Die Migrationsfrage ist damit für dich entschieden.
Weil er die einzige ehrliche Leitplanke im ganzen Format war. Der Deckel erlaubte dir zu sagen: höchstens 20 Prozent dieses Budgets gehen an Leute, die schon gekauft haben. Jon Loomer hat die Streichung unter "No More Existing Customer Budget Cap" beschrieben. Ohne diesen Regler tut eine auf Käufe optimierte Kampagne das Naheliegende. Sie kauft die günstigsten Käufe ein, die zu haben sind, und das sind fast immer deine eigenen Kunden. Wer zweimal gekauft hat, konvertiert zu einem Bruchteil der Kosten eines Fremden. Der Algorithmus weiß nicht, dass diese Bestellung sowieso über den Newsletter gekommen wäre. Die Kampagne meldet also einen schönen ROAS, während die Neukundengewinnung leise einschläft. Merken tust du es zwei Monate später, wenn der Umsatz sich nicht bewegt hat.
Über die Struktur, denn den Prozent-Regler gibt es nicht mehr. Die saubere Variante sind zwei Kampagnen. Eine Advantage+ Sales Kampagne, in der du deine Käufer- und Newsletter-Listen ausschließt. Und eine zweite, die genau diese Listen gezielt anspricht. Zwei Budgets, zwei ROAS-Werte, und keiner versteckt sich im anderen. Wenn du in einer Kampagne bleiben willst, bau eine eigene Anzeigengruppe für Bestandskunden mit eigenem Budget und setz die Ausschlüsse auf die Neukunden-Gruppe. Das bringt dir den Großteil der Trennung. Budget kann zwischen Anzeigengruppen aber weiter wandern, was der harte Deckel verhindert hat. Wichtiger ist ohnehin das Reporting. Du brauchst eine eigene Zahl dafür, was ein neuer Kunde kostet, nicht eine Mischzahl mit Wiederkäufen drin. An dieser Zahl siehst du, ob die Automatik sich rechnet.
Bei den Kosten pro Ergebnis vermutlich ja, wenn du einen Katalog und genug Conversion-Volumen hast. Eine Zahl bekommst du von mir nicht, und wer dir eine nennt, verdient Misstrauen. Such das Thema, und überall stehen selbstbewusste Werte: 4,5x ROAS statt 3,7x, 32 Prozent niedrigerer CPA, 17 Prozent mehr Effizienz. Verfolgst du sie zurück, landest du bei Agentur-Blogs, die sich gegenseitig zitieren. Am Ende der Kette steht keine Studie, keine Stichprobe, keine Methodik. Metas eigene Vergleiche sind Marketing. Meine Erfahrung aus dem Betrieb solcher Kampagnen: Die Automatik ist gut in der mechanischen Arbeit, also Platzierungsmix, Creative-Rotation, Gebotssteuerung. Sie spart Stunden Klickerei, in der noch nie der Vorsprung lag. Schwach wird sie beim Unterscheiden von inkrementellen Käufen und solchen, die ohnehin gekommen wären. Genau daher bezieht ihr ROAS den größten Teil seines Glanzes.
Die Entscheidungen, die teuer werden, wenn sie falsch sind. Welche Zielgruppen du ausschließt. Was ein Neukunde kosten darf. Wann du abschaltest. Den Einkauf kannst du dem Algorithmus überlassen. Gibst du ihm auch die Definition von Erfolg, läuft ein Konto einen Monat in die falsche Richtung, bevor es jemand merkt. Dasselbe Argument habe ich zu Googles AI Max gemacht, und es gilt hier aus demselben Grund: Das System optimiert brav auf dein Ziel, auch wenn dein Ziel falsch ist. Bei Platzierungen lohnt statt einer pauschalen Regel ein eigener Blick in die Platzierungs-Auswertung.
Unsere Automation folgt dem umgekehrten Instinkt. Regeln können nur pausieren oder abschalten, nie starten oder skalieren. Vor jedem Abschalten stehen vier Schutzmechanismen: eine Lernphasen-Sperre unter fünf Tagen oder 200 Euro, ein ROAS-Boden, der eine Anzeige mit 1,5x pausiert statt sie zu killen, ein CBO-Schutz, der mindestens drei aktive Anzeigen stehen lässt, und ein Frequenz-Stopp bei 3,5x. Jede Prüfung wird protokolliert, Abschaltungen bleiben 24 Stunden rückgängig zu machen, und Vollautomatik musst du bewusst einschalten. Standard ist eine Empfehlung, die du freigibst. Advantage+ Sales dreht das um: erst handeln, dann den Bericht zeigen. Nutzbar. Aber unter Beobachtung.
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